5 Fallstudien, die zeigen, wie verschieden mit den Auswirkungen des Massentourismus umgegangen wird

Der Tourismus kann einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung bewirken, aber er kann auch schädlich für die Umwelt sein und die einheimische Bevölkerung unter Druck setzen.

Das ist so gesehen nichts neues, da man ständig von den Auswirkungen des Massentourismus liest oder es spätestens bei einem Aufenthalt in einer solchen Touristenhochburg selbst zu spüren bekommt. Nur wenige Orte, die etwas Besonderes sind, bleiben von steigenden Besucherzahlen verschont, ganz egal, ob die Rede von Städten, historische Denkmälern, Nationalparks oder gar ganzen Ländern ist.

Aber nicht jede Hoffnung ist verloren. Bestimmte Reiseorte haben sich mit dem Problem auseinandergesetzt und Vorschriften erlassen, die die Rechte der Einheimischen wahren und gleichzeitig Tausende von jährlichen Besuchern ermöglichen. Andere Regierungen sind bei der Umleitung genau dieser Besucher kreativ geworden oder haben ganz simpel Einschränkungen eingeführt, die die Anzahl der Reisenden einschränken sollen.

In diesem Sinne haben mehrere Reiseziele auf der ganzen Welt Maßnahmen durchgeführt, um die negativen Auswirkungen des Massentourismus einzudämmen und die positiven Folgen für die Region besser an die Einheimischen übertragen zu können.

Hier sind 5 Fallstudien, an denen wir die Vor- und Nachteile des Massentourismus nachvollziehen können und uns ansehen, wie die zuständigen Behörden mit der Situation umgegangen sind. Auch einige Tipps, wie du in den betroffenen Orten selbst zur Besserung der Situation beisteuern kannst, werden in diesem Artikel gezeigt.

Der Tourismusboom auf Mallorca

Massentourismus auf Mallorca

Foto: Marc Schadegg / Unsplash

Die Fakten: Nicht umsonst wird Mallorca auch als das 17. Bundesland Deutschlands bezeichnet. Mallorca ist das Reiseziel Nummer 1 für die Deutschen, die im Urlaub die Heimat verlassen wollen.

In 2018 kamen insgesamt 13,8 Millionen Besucher auf Mallorca, wie die Mallorcazeitung berichtet. Im Jahr 2010 waren es gerade einmal 6 Millionen. Ein rasanter Zuwachs, der nach Angaben einiger Einheimischer eine Umweltkrise und die Kommerzialisierung von Landschaft, Umwelt und Erbe verursacht hat.

Was das Land dagegen unternimmt: Eine Verdoppelung der Kurtaxe auf 4 € pro Person pro Tag wurde durchgesetzt, die auf Hotelübernachtungen gezahlt werden muss. Nachdem die kurzfristigen Apartment-Vermietungen in die Höhe geschnellt sind, haben die Behörden alle Inserate verboten, die sich nicht in einem eigenständigen Haus abseits der öffentlichen Straßen befinden.

Was du dagegen tun kannst: Meide die Hochsaison und reise stattdessen in der Nebensaison oder in der Zwischensaison. Idealerweise meidest du auch die verlockenden All-Incluse-Resorts und gehst lieber vor Ort einkaufen - dort, wo die Einheimischen von deinem Geld direkt profitieren können.

Auswirkungen des Massentourismus in Angkor Wat

Angkor Wat

Foto: Milada Vigerova / Unsplash

Die Fakten: Fast 2,5 Millionen Menschen besuchten 2017 die gigantische Hindu-Tempelanlage aus dem 12. Jahrhundert, ein Anstieg von 12 Prozent gegenüber 2016. Die Besucher drängen sich größtenteils um den Haupttempel und Ta Prohm, auch als "Tomb Raider Tempel" bekannt. Und sie schaden nicht nur dem Zustand der Ruinen, sondern beeinflussen auch die Umgebung. Der Zustrom von Touristen hat das Wachstum der nahegelegenen Stadtgebiete beschleunigt, was zu einem Mangel an Grundwasser führte.

Was das Land dagegen unternimmt: Im Jahr 2016 nahm die kambodschanische Regierung Maßnahmen vor, um den intensiven Touristenstrom zu verringern. Die Ticketpreise haben sich fast verdoppelt, von $20 auf $37 pro Person. Die Ticketschalter wurden von den Haupttoren im Osten und Westen verschoben, um Verstopfungen zu vermeiden. Und am zentralen Turm von Angkor Wat wurde eine Obergrenze von 100 Besuchern gleichzeitig eingeführt. Die Gesamtanzahl der Besucher von Angkor Wat wurde allerdings nicht limitiert.

Was du dagegen tun kannst: Komme früh morgens mit einem Guide, wenn die Anlage gerade erst öffnet. Dann genießt du den schönsten Anblick auf die Jahrhunderte alten Ruinen und sorgst gleichzeitig dafür, dass sich der Touristenandrang zumindest etwas gleichmäßiger auf den Tag verteilt.

Auch solltest du die etwas abgelegeneren Tempel besuchen, die genauso atemberaubend sind, aber an denen sich nicht so viele Menschen drängen.

Bali

Massentourismus Auswirkungen Bali

Foto: Artem Beliaikin / Unsplash

Die Fakten: 2017 zählte Indonesien 13,7 Millionen ausländische Besucher. Ein großer Sprung im Vergleich zu 1990, als es nur 2,2 Millionen waren. Noch beachtlicher ist die Tatsache, dass ein Drittel dieser Besucher nach Bali kamen.

Obwohl die Insel in den 1960er Jahre nur drei Hotels hatte, haben die Natur und die Kultur sowie infrastrukturelle Projekte wie der Bau des Ngurah Rai International Airport dafür gesorgt, dass die Insel in manchen Bereichen vor Verkehr und Verschmutzung lahm liegt. 

Die Auswirkungen des Massentourismus in Bali waren im Dezember 2017 so deutlich zu spüren, dass die Verwaltung einen "Müllnotstand" ausrief, nachdem mehrere der beliebtesten Strände der Insel mit Plastik übersät waren. Touristen sind auch kritisiert worden, nachdem sie vor einem Tempel in Bikinis posierten. Auch wenn Bali im Vergleich zum Rest Indonesiens recht liberal ist, wird der Glaube und die Tradition trotzdem groß geschrieben.

Was das Land dagegen unternimmt: Wegen der zunehmend respektlosen Verhaltensweisen an heiligen hinduistischen Orten erklärten balinesische Beamte, dass sie die Gesetze, die es Touristen erlauben, Tempel unbegleitet zu besuchen, neu ausarbeiten müssten. Bis auf die Verkündung des Vorhabens hat sich daran allerdings noch nichts geändert.

Was du dagegen tun kannst: Abseits der Touristenzentren von Kuta, Seminyak und Ubud gibt es noch viele unberührtere Gebiete im Norden und im Osten der Insel zu entdecken. Hast du schon einmal von dem Örtchen Sideman auf Bali gehört? Ähnlich wie Ubud, allerdings komplett stressfrei und ohne viele andere Touristen.

Auswirkungen des Massentourismus in Machu Picchu

macchu piccu

Foto: Ayesha Parikh / Unsplash

Die Fakten: Die Besucherzahlen von Machu Picchu sind wirklich rasant gestiegen - genauer gesagt von weniger als 400.000 Besuchern auf 1,4 Millionen Touristen pro Jahr innerhalb von 20 Jahren. Das ist sicherlich mehr Verkehr als die Inkas je vermutet oder geplant hatten, denn Archäologen schätzen, dass nur rund 750 Menschen gleichzeitig damals in Machu Picchu lebten. Reisende durften bis Mitte 2017 durch die alten Inka-Ruinen klettern und kriechen und Wege austreten, aber das änderte sich, als die UNESCO drohte, Machu Picchu auf die "Rote Liste des gefährdeten Welterbes" zu setzen.

Was das Land dagegen unternimmt: Im Jahr 2015 kündigte die peruanische Regierung ihren Fünfjahresplan in Höhe von 43,7 Millionen Dollar an, um die Überreste zu schützen. Phase eins dieses Plans trat am 1. Juli 2017 in Kraft, mit der der Zugang für Touristen auf zwei getaktete Eintritte pro Tag begrenzt wurde, die von einem zugelassenen Reiseleiter begleitet werden müssen. Auch die Beschränkung auf bestimmte Wege durch die Ruinen erfolgte. Täglich sind nur 5.000 Tickets erhältlich, mehr als doppelt so viele wie von der UNESCO vorgeschlagen.

Die zweite Phase beinhaltet ein neues Besucherzentrum und eine Toilette innerhalb des Machu Picchu Nationalparks.

Was du dagegen tun kannst: Zuerst einmal nach den Regeln spielen: Folge den vorgegebenen Wegen und lass dich nicht ärgern, wenn du nicht mehr wie damals die Stätte nach Lust und Laune durchqueren kannst. Als nächstes solltest du erwägen, das Verkehrsaufkommen zu entschärfen, indem du die Anreise zu Fuß durchziehst und die Bustour vermeidest.

Alternativ kannst du auch andere beeindruckende Inka-Ruinen besuchen. Die Ruinen von Tschetschenien im Norden Perus sind ein Highlight. Choquequirao - mit nur 16 Besuchern im Jahr 2016 - ist die andere Wahl, auch wenn du eine vier Tage lange Wanderung unternehmen musst, um von Cusco dorthin zu gelangen.

Amsterdam

Amsterdam

Foto: Adrien Olichon / Unsplash

Die Fakten: Amsterdam ist sicherlich eines der schönsten Reiseziele in den Niederlanden. Die Stadt empfängt jedes Jahr rund 20 Millionen Besucher. Verglichen mit einer Bevölkerung von weniger als einer Million ist dieser Zustrom an Touristen ziemlich extrem. Bestimmte Bereiche wie das Museumsviertel und der Rotlichtbezirk sind aufgrund ihrer Beliebtheit stärker betroffen. Vor allem im Red Light District neigen die Touristen dazu, dort ein besonders rüpelhaftes Verhalten an den Tag zu legen.

Was die Stadt dagegen unternimmt: Die Stadt hat eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um den Zustrom von Touristen einzudämmen - eingeschränkte Airbnb-Lizenzen, die Neugestaltung von Randbezirken zu neuen Zielen, das Verbot der Eröffnung neuer Touristenläden im Stadtzentrum und die Verlagerung von Touristen zu weniger belebten Attraktionen mit Hilfe von Apps.

Was du dagegen tun kannst: Besuche die Website von iamsterdam, um alle weniger stark besuchten Attraktionen zu finden, die trotzdem einen Besuch wert sind.

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