Quo vadis Koffer? Wie sich Smart Luggage in den letzten Jahren entwickelt hat

Foto: LDprod / Shutterstock

Smart Luggage kommt mit einem Akku und mit anderen elektronischen Komponenten, die dir helfen können, deine Geräte auf langen Reisen aufzuladen, dein Gepäck zu orten und den Diebstahl zu verhindern. Klingt erst einmal großartig, aber es gibt auch eine Reihe von Herausforderungen bei der Verwendung von Smart Luggage, die wir besprechen wollen.

Was ist Smart Luggage?

In seiner einfachsten Form ist Smart Luggage jedes Gepäckstück, das bestimmte Hightech-Funktionen enthält. Beispiele für angewandte Technologien können folgende sein:

  • Aufladevorrichtungen
  • GPS-Ortung
  • Elektronische Schlösser
  • Per App ansteuerbare Bedienelemente
  • Bluetooth-Verbindung
  • WLAN-Verbindung
  • Digitale Gepäckwaagen

In der Regel kommt Smart Luggage als Hartschalenkoffer und kann eine beliebige Kombination dieser Merkmale aufweisen. Smart Luggage erleichtert dir das Aufladen deiner elektronischen Geräte unterwegs, kann dir Kontrolle über eingebaute elektronische Kofferschlösser liefern und das Orten des Gepäckstücks via GPS ermöglichen. 

Manches Smart Luggage kommt sogar mit einem Solar-Panel zum Aufladen der Geräte ohne direkten Stromanschluss, einem mobilen WLAN-Hotspot und wie im Falle von Rimowa mit einem Electronic Tag, um das Gepäckstück digital einchecken zu können.

Die Herausforderungen mit Smart Luggage

Während es beruhigend ist zu wissen, dass du mit der Gewissheit um die Welt reisen kannst, dass du deine Gegenstände unterwegs aufladen oder dein Gepäck schneller einchecken kannst, sind viele Fluggesellschaften nicht so begeistert von der Idee wie du.

Das Problem ist, dass die meisten smarten Gepäckstücke von Lithium-Ionen-Batterien gespeist werden. Da Lithium ein bekanntermaßen reaktionsfreudiges Element ist, gibt es spezielle Gepäckregelungen zum Transport solcher Batterien, um eine Brandgefahr zu vermeiden.

Vor allem beim Check-In-Gepäck gibt es Einschränkungen, da unbeaufsichtigte Batterien im Falle einer Entzündung verheerende Schäden verursachen können.

Um die Risiken zu verringern, empfahl die IATA den Fluggesellschaften, bis zum 15. Januar 2018 die Verwendung von Smart Luggage mit nicht entfernbaren Lithium-Ionen-Batterien zu untersagen. Einige andere Fluggesellschaften außerhalb dieser Vereinigung, darunter auch American Airlines und Delta Airlines, haben diesen empfohlenen Umgang mit derartigem Smart Luggage übernommen.

Halt: Alles doch nicht so wild?

Es ist nicht so schlimm, wie es klingt. Während strengere Vorschriften für Smart Luggage umgesetzt werden, gelten diese nur für Gepäckstücke mit Lithium-Ionen-Akkus, die nicht entfernt werden können.

Mehr: Die Richtlinien zu Lithium-Akkus im Flugzeug im Überblick

Entnehmbare Lithium-Ionen-Akkus werden wie gewöhnliche Powerbanks als Ersatzbatterien gewertet. Ersatzbatterien müssen im Handgepäck transportiert werden. Soll das smarte Aufgabegepäck ohne Probleme reisen, empfiehlt es sich, vor jeder Gepäckaufgabe den Akku zu entfernen und im Handgepäck mitzuführen.

Im Zweifelsfall solltest du die Website der Fluggesellschaft, mit der du reist, besuchen. Dort findest du ganz gezielt die Gepäckbestimmungen samt den Regelungen zu Akkus, Batterien und Ersatzbatterien, die sich auf das Smart Luggage übertragen lassen. Jede Fluggesellschaft listet die Vorschriften sowohl für das Aufgabe- als auch für Handgepäck auf.

Bekannte Kofferhersteller von Smart Luggage

Horizn Studios

Horizn Studios Ladegerät

Das Koffer Startup Horizn Studios war in Deutschland einer der ersten Hersteller, der sich speziell dem intelligenten Gepäckmarkt gewidmet hat.

Ein herausnehmbares Ladegerät ist praktisch und durchdacht in den Koffer eingelassen. Das war es allerdings auch schon, was von den Smart Features im Horizn Koffer heute noch übrig ist. In den ersten Modellen von Horizn Studios bestand die Option, gegen einen Aufpreis eine GPS-Ortung einzubauen. Wie gut dieses System funktionierte, wissen wir nicht.

Das soll nicht heißen, dass die Gepäckstücke der Marke schlecht sind.

Im Gegenteil: Seit 2017 benutze ich den Handgepäckkoffer von Horizn und bin sehr zufrieden. Nur liegt das zu großen Teilen an der hochwertigen Hartschale, den zuverlässigen Rollen und dem praktischen Innenleben, vor allem verglichen mit den Preisen anderer Gepäckstücke derselben Qualität.

Mehr: Mein Horizn Studios Handgepäckkoffer im Test 

Titan

Titan hat bei den jüngeren Modellen ebenfalls angefangen, einen USB-Hub einzubauen. Durch diese USB-Schleuse kannst du eine Powerbank deiner Wahl im Inneren mit einem elektronischen Gegenstand deiner Wahl verbinden, wenn du mit dem USB-Kabel am Koffer andockst.

Mehr: Titan Koffer im ausführlichen Vergleich

Rimowa

Rimowa hat 2016 ihr Electronic Tag System als innovative Lösung zur Vereinfachung des Check-In-Prozesses beworben. Mit dem System konnten Anwender die Fluginfos auf einem Display am Koffer anzeigen lassen, die gewöhnlicherweise per physischem Gepäck-Tag am Flughafenschalter am Gepäckstück befestigt wurden. Das System hat sich aufgrund mangelnder Airline-Partner und einer scheinbar von Fehlern geplagten Bedingung per App nicht durchgesetzt.

Und in der Tat: Die gesamten Koffer mit Electronic Tag sind seit Rimowas Rebranding samt neuem Online-Shop aus dem Produktsortiment verschwunden. Airliners.de sprach in einem Report im Sommer 2018 bereits vom Ende des elektronischen Gepäcketiketts.

Ärgerlich für diejenigen, die damals den Aufpreis für die Modelle mit Display gezahlt haben, auch wenn das System bei Flügen mit Lufthansa (noch) eingesetzt werden kann.

Heys

Hersteller wie Heys haben damit begonnen, Smart Luggage zu entwickeln, das mit handelsüblichen Alkaline-Batterien betrieben wird, die kein Lithium enthalten. Auf diese Weise kann auch Aufgabegepäck mit smarten Features ausgestattet werden.

So rüstet Heys ihr aktuelles Smart Luggage beispielsweise mit einer digitalen Waage (eingebaut im Griff), einer Bluetooth-Steuerung der Schlösser und einem Näherungsalarm aus, die allesamt von den Batterien versorgt werden.

Wie gut diese Systeme funktionieren, können wir derzeit nicht sagen, da wir Koffer von Heys noch nicht testen konnten. Die Rezensionen der Gepäckstücke deuten allerdings auf gemischte Meinungen hin.

Smart Luggage - Gepäckrevolution oder Marketing-Gag?

Ein intelligentes Gepäckstück kann eine Vereinfachung deiner Reisegewohnheiten bedeuten. Im Laufe der Zeit haben sich allerdings einige Neuheiten, die als Revolution des Reisegepäcks angepriesen wurden eher als fadenscheinige Marketing-Versprechen ohne wirklichen Benefit entpuppt. Selbstfahrende Koffer sind da nur die Spitze des Eisbergs der Enttäuschung. 

Bisher haben sich die gar nicht mal so smarten Gepäckstücke mit einer integrierten Auflademöglichkeit für elektronische Geräte als zuverlässigste Wahl im Markt für modernes Gepäck bewährt.

Ein Koffer mit integrierter, herausnehmbarer Powerbank ist sicherlich eine gute Sache auf Reisen, um deine Elektronik jederzeit laden zu können. Genauso gut funktioniert allerdings auch eine gewöhnliche Powerbank, die du lose im Handgepäck mitführst und für die kein gesondertes Plätzchen im Gepäck vorgesehen ist.

Auch der solarbetriebene Rucksack ist nichts, was man sich selbst nicht deutlich günstiger  zusammenstellen könnte. Es gibt robuste Solar-Ladegeräte für 20 bis 30 Euro, die am Rucksack befestigt werden können, um sie während der Reise zu laden. Neben dem geringeren Preis für ein solches Ladegerät ist auch ihre Handhabung (und meist ihre Leistung) besser als die des gesamten Rucksacks mit eingebauten Solarzellen. 

Eine Gepäckrevolution sieht für unseren Geschmack anders aus.

Fazit zu Smart Luggage

Bislang befindet sich die Ausgestaltung der als solche beworbenen Smarten Gepäckstücke noch in den Kinderschuhen. Einige Konzepte wurden bereits erprobt, die sich im Nachhinein als nicht marktrelevant oder als fehlergeplagt herausgestellt haben.

Die Ausgestaltung mehrwertstiftender Gepäcklösungen wird auch durch die Sicherheitsbestimmungen der Fluggesellschaften ausgebremst. Smarte Ansätze implizieren eine Verwendung von elektronischen Hilfsmitteln, die uns das Reisen erleichtern. Eben diese Elektronik muss jedoch mit den Flugsicherheitsbestimmungen kompatibel sein, um auf Flugreisen reibungslos eingesetzt werden zu können.

Nur Lösungen, die einen echten Mehrwert für die Reisenden stiften, mit den Sicherheitsbestimmungen an Bord vereinbar sind und in einem angemessenen Kosten/Nutzen-Verhältnis stehen, können als langfristige Errungenschaften bestehen, die uns das Reisen vereinfachen.

Wir beobachten, dass Gepäckhersteller wie Horizn sich von der Idee lösen, dass das Gepäckstück an sich "smart" sein muss. Mit Horizn GO haben sie einen persönlichen Reiseassistenten vorgestellt, den man nach Erwerb eines ihrer Gepäckstücke aktivieren kann. Mehr dazu in einem weiteren Artikel.

Leave a Reply